Augen und Ohren auf … und durch!
Du kennst den Satz: «Augen zu und durch!» Natürlich wissen wir alle, was damit gemeint ist. Aber ich sage dir: «Das ist eine ganz dumme Idee!» Warum? Ich habe längst schon herausgefunden, dass gerade dann, wenn «Augen zu und durch» angesagt wäre, du genau das bare Gegenteil davon tun solltest, um unbeschadet durchzukommen.

Warum ich das das behaupte? Wenn es drauf ankommt, musst du hellwach sein und dazu gehören eben auch offene Augen und «gespitzte» Ohren. Über diese sprachlichen Metaphern hinausgehend, gehört deine ganze Physis, deine Psyche, deine mentale Einstellung, dein Spirit oder wie du das auch immer nennen magst, ebenfalls dazu. Mit anderen Worten, du hast mehr Augen und Ohren, «als nur die offensichtlichen, augen- und gehörfälligen». In Wahrheit ist jede einzelne Zelle deines Körpers, für sich allein betrachtet, schon ein Organismus und davon hast du mehrere zehn Billionen, die du dein «Eigen» nennen darfst. Diese steuern uns mehr, als dass wir selbst bewusst einen Einfluss auf diese ausüben könnten und … das ist gut so. Du bist CEO deiner Selbst, aber glaube ja nicht, du hättest deshalb alles im Griff. Nein, aber das brauchst du auch nicht. Nur dein Ego glaubt das und zusammen mit deinem Bewusstsein reicht das absolut aus, dich immer mal wieder zu täuschen, du müsstest über alles die Kontrolle haben. Geht nicht. Ist besser so. Das Prinzip lässt sich auf jeden anderen Organismus im engeren und weiteren Sinne übertragen. Schau dich nur in der Wirtschaft um. Nicht selten glauben CEOs sie hätten die absolute Kontrolle über ihren Konzern. Das haben sie nicht. Sie haben mitnichten einen so grossen Einfluss auf ihre Organisation (lies Organismus) der auch nur ansatzweise ihre Gehälter rational oder sonst wie mit einem zu Grunde gelegten gesunden Menschenverstand rechtfertigen liesse. Das kann auch gar nicht sein, nur wird es gerne so dargestellt oder je nach Ausgestaltung des jeweiligen CEO-Egos entsprechend zur Schau getragen.
Offensichtlich wird es, wenn eines dieser Gattung Egos, sich dazu «gezwungen» sieht, mit der «klassischen Augen zu und durch Reaktion», zu “re-agieren” um sich am mehrere Millionen Franken, Euros oder Dollars schweren, so genannten goldenen Fallschirm abzuseilen, um mit diesem finalen Schritt, «seine Verantwortung der Firma gegenüber wahrzunehmen.» Mitnichten ist dies der Fall!
Was also auf auf den Teppichetagen der Hierarchie nach wie vor scheinbar funktioniert, ist für die meisten anderen Stufen der Karriereleiter, ja des Lebens schlechthin, tabu, unvorstellbar oder einfach nicht umsetzbar.
Wenn du mit Aspekten deines Lebens gerade nicht zufrieden bist, nützt dir «Augen zu und durch» also denkbar wenig, da sind dann ganz andere Qualitäten gefragt. Da steht niemand vor dir und “hinter dir” steht da eine knappe Handvoll Vertrauenspersonen, wenn du glücklich genug bist. Fazit: Du hast dich der Situation früher oder später selbst zu stellen und dich neu aus- und wieder einzurichten, bis es passt. Mit einer gehörigen Portion Augenmass, ruhig zwar, und jetzt kommts: «hellwach und hellhörig, im Volksmund also, mit offenen Augen und Ohren.»
Und, ist das schlimm? Nur, wenn du bis dahin nicht gemerkt hast, dass du in allen Situationen mit offenen Augen und gespitzten Ohren durch dein Leben gehen solltest. Wer sich diese Fähigkeiten nur für Notfälle oder ganz besondere Momente des Lebens aufspart, der lebt tatsächlich am Fluss seines Lebens vorbei. Sei stets vorbereitet. Wer nur auf das Resultat fokussiert ist, statt den Weg zum Ziel als integralen Bestandteil des Ganzen zu würdigen, verpasst das Wichtigste im Leben überhaupt, nämlich eben dieses, sein Leben selbst zu leben!
Jeder einzelne Moment für sich hat es verdient, dass du ihm die volle Aufmerksamkeit schenkst. Ja, jeder! Das ist weder umsonst, noch für die Katz, noch ist es kostspielig oder besonders aufwendig. Das Einzige, was du zu tun brauchst, ist deine Augen und Ohren offen zu halten, mittendrin zu sein und gleichzeitig dein Tun und Lassen zu beobachten, ohne übermässig kritisch mit dir, aber auch mit anderen zu sein. Denn wenn du dir dies schenkst, kommt so viel Qualität deines Lebens in jeder erdenklichen Form zu dir zurück. Sofort und fortlaufend und damit hält es noch mehr an Geschenken bereit für deine Zukunft.
Gerade haben wir höchstsommerliche Temperaturen hier von über 35 Grad Celsius und mehr. Was kannst du gerade jetzt schätzen, jetzt, wo du bist, wo es gerade ist wie es ist. Vermisse nicht, was du gerade nicht hast. Schätze, was du gerade jetzt hast, hier und jetzt. Die Sonnenstrahlen, Musik, die du gerade hörst. Lauschst du den Geräuschen, der Musik der Natur. Wenn du den Schwalben zusiehst, wie sie ihre natürlichen Flugmanöver vollführen, so wie unsere Patrouille Suisse der Schweizer Luftwaffe deren kunstvolle Adaption davon in Perfektion am Firmament zeigt? Ein kühles Getränk, die Aussicht, die Freude über alles, was dir in dieser Woche schon gelungen ist, obschon du vielleicht etwas in Sorge warst, alles schaffen zu können? Dein Leben, dein Umfeld, alles, was du jetzt gerade hast.
Schau dich um und horche in dich hinein, mit offenen Augen und Ohren.
Alfred